TT-Fahren, die schöne Landschaft Südtirols, guter Wein und gutes Essen, liebe Menschen. Das war das Konzept für die Wein-GenussTTour.
Die Planungen für diese Tour begannen bereits im Herbst 2025.

Tramin ist der Herkunftsort des Gewürztraminers und auch Anbaugebiet der autochthonen Rebsorten Vernatsch und Lagrein. In Tramin und der unmittelbaren Umgebung werden von Kellereien unterschiedlichste Philosophien im Weinbau verfolgt, die immer wieder prämierte Kreationen hervorbringen. Das alles auf kleinstem Raum und in mehr oder weniger fußläufiger Entfernung.
Zudem sind viele der schönsten Straßen Südtirols von Tramin aus schnell zu erreichen oder beginnen sogar unmittelbar vor der Haustür.
Ideale Voraussetzungen also für das Vorhaben, morgens zu einer Ausfahrt aufzubrechen, am Nachmittag, ein Weingut zu besuchen und den Tag mit einem wunderbaren Abendessen ausklingen zu lassen.
Nachdem im Dezember 2025 das „Panorama“ in Tramin als Tourhotel feststand, erfolgte im Januar 2026 die Ausschreibung der Tour. Die verfügbaren Plätze für 6 Fahrzeuge waren schnell vergeben und wir konnten uns ein Dreivierteljahr vorfreuen.

Ende Juni 2026 wurde dann aber von der Landesregierung Südtirol eine Verordnung erlassen, die mutmaßlich die Befahrung einiger der schönsten Straßen Südtirols in organisierten Gruppen verbot. Damit stand die Absage unserer Wein-GenussTTour tatsächlich im Raum.
Um die Tour auch unter den Regelungen der Verordnung durchführen zu können, wurden einige der Ausfahrten vollständig neu geplant, um die betroffenen Streckenabschnitte zu vermeiden. Im Ergebnis haben wir Straßen befahren und Regionen gesehen, die weniger bekannt aber nicht weniger schön sind, als z.B. die bekannte Sella-Ronda. So hatte diese Phase der Verunsicherung auch ihr Gutes. Als dann kurz vor dem Beginn der Tour deutlich wurde, dass unsere privaten Ausfahrten ohne wirtschaftlichen Hintergrund gar nicht als von der Verordnung betroffene „Veranstaltung“ sondern als zulässige „Versammlung“ gewertet werden, war die Welt wieder gut.
Am 21. September 2026 trafen sich die 6 Fahrzeuge auf dem Pendlerparkplatz in Stein bei Immenstadt. Die Anreise führte uns über das Oberjoch, den Gaichtpass, Hahntennjoch und Timmelsjoch, vorbei am Kalterer See nach Tramin.

Am nächsten Tag lagen 191 abwechslungsreiche Kilometer vor uns. Die Ausfahrt führte u.a. über Mendelpass, Brezer Joch, Hofmahdjoch, Gampenpass.
Nach unserer Rückkehr ins Hotel machten wir uns zu Fuß durch die Weinberge auf den Weg zum Weingut Joseph Hofstätter. Im Rahmen einer Kellereibesichtigung lernten wir viel über die Geschichte dieses familiengeführten Weingutes. Joseph Hofstätter und seine Nachfahren verfolgten als erste in Tramin die Erzeugung und Vermarktung von Weinen aus Einzellagen. Hofstätter prägte dafür den Begriff „Vigna“. Im Unterschied zu Gebietsweinen stammen die „Vigna“-Weine der Kellerei aus eng begrenzten Flächen, die mikroklimatisch und bodentypisch besondere Eigenschaften aufweisen.
Im Rahmen einer Verkostung unter dem Titel „Terroir und Mikroklima – Eine Vergleichsverkostung“ konnten wir die Unterschiede der Gebietsweine und den Vigna-Weinen der gleichen Rebsorte und des gleichen Jahrgangs eindrucksvoll erleben.
Im Restaurant Pernhof klang der Abend mit einem gemeinsamen Abendessen aus.
Für die Ausfahrt am Mittwoch, dem 23.09. war eigentlich u.a. die Befahrung der berühmten Kaiserjägerstraße vorgesehen. Aufgrund der stattfindenden Renovierungsarbeiten an dieser Straße, war sie jedoch für uns leider nicht benutzbar. Die Ausfahrt über Truden, San Lugano Sattel, Manghenpass, Valico della Fricca, Passo Sommo, Lago di Cei, Monte Bondone machte dennoch allen Teilnehmern großen Spaß.
Die Kellerei Tramin ist eine Genossenschaft, der 160 Weinbauern angehören, die zusammen 270 Hektar Weinreben bewirtschaften. Die Kellerei Tramin ist damit der größte Kellereibetrieb der Region Tramin. Im Jahr werden ca. 1,9 Millionen Flaschen Wein produziert. Der erste Impuls ist da natürlich die Vermutung, dass es hier mehr um Masse als um Qualität geht. Aber weit gefehlt. Für ihre Weine wird die Kellerei Tramin regelmäßig ausgezeichnet. Einige der bekanntesten Weine Südtirols stammen von dieser Kellerei. So z.B. der Nußbaumer Gewürztraminer oder der „Epokale“, der 2018 als erster italienischer Weißwein vom Wine Advocate mit 100 Parker-Punkten ausgezeichnet wurde. Einen großen Anteil an der Ausrichtung der Kellereigenossenschaft Tramin zu qualitativ hochwertigen Weinen hat Kellermeister Willi Stürz, der seit 30 Jahren die Entwicklung der Genossenschaft prägt. Nach einer Kellerführung konnten wir „Das Beste aus der Kellerei Tramin“ verkosten.
Zum Abendessen besuchten wir den Buschenschank der Familie Gamper. Der im Weingut der Familie beheimatete Buschenschank strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus. Die Speisen sind ausgezeichnet und die gereichten eigenen Weine sind auch eine Empfehlung.

Für den Donnerstag hatte ursprünglich die Sella-Ronda auf dem Programm gestanden. Aufgrund der zu beginn erwähnten Verordnung der Landesregierung wurde sie aber aus dem Programm genommen. Ersetzt wurde sie durch die „Non-Sella-Ronda“, die uns über den San Lugano Sattel, zum Lago di Paneveggio, Passo Rolle, Passo Cereda, Passo Duran, Passo Staulanza, Lago di Alleghe und über Passo San Pellegrino führte. Die Landschaft in diesem Teil der Dolomiten ist auch wunderschön und die Straßen sind um einiges leerer. Cereda, Duran und insbesondere den Passo Staulanza sollte man in seinem Logbuch auf jeden Fall ein Mal eingetragen haben.

Die Kellereiführung und Verkostung beim Bioweingut Ansitz Rynnhof startete mit einem kleinen Marsch inden Weinberg. Georg Bellutti erläuterte uns den Unterschied des Pergola-Anbaus, die die klassische Anbaumethode in Südtirol darstellt und der heute weitgehend üblichen Spalier-Anbaumethode.
Auf dem Rynnhof wird die Pergola-Methode vor allem noch für den Vernatsch eingesetzt. Dies weil die Trauben aufgrund ihrer dünnen Schale kurz vor der Ernte sehr empfindlich sind und durch Regen leicht aufplatzen können. Der Pergola-Anbau schützt die Trauben. Die Bewirtschaftung ist aber deutlich aufwendiger als beim Spalieranbau. Er bietet zusätzlich den Vorteil, dass die Trauben gut belüftet werden und weniger leicht faulen oder erkranken.

Georg ist ein Quereinsteiger, der für seine Frau Nathalie, die die Önologin auf dem Betrieb ist, die landwirtschaftliche Bewirtschaftung übernimmt. Zusammen produzieren sie biozertifizierte Weine der Sorten Gewürztraminer, Weißburgunder, Vernatsch und Lagrein. Von der Qualität der Weine konnten wir uns in der anschließenden Verkostung überzeugen, die mit einer typischen Südtiroler Marende verbunden wurde.
Am Freitag ging die Ausfahrt südwestlich von Tramin über Passo Santel, Lago di Molveno, Passo Daone, Passo Campo Carlo Magno und Mendelpass. Aufgrund der bevorstehenden Rückreise eine entspannte Tour mit schönen Ausblicken aber auch einigen sehr spaßigen Abschnitten.
Für die Kellerführung beim Weingut A. v. Elzenbaum kamen wir zum Glück ein bisschen zu früh. Man hatte unsere Verabredung zur Kellerbesichtigung dort doch tatsächlich vergessen. Und so rief Andrea Lazzeri ihren Mann und Winzer, Peter von Elzenbaum zu Wiesenheim, an, der daraufhin die geplante Apfelernte bei Freunden absagte, um uns durch den historischen Keller des ältesten Traminer Weingutes zu führen.
Nach einer sehr interessanten Führung blieb nur noch Zeit für eine kurze schnelle Verkostung der Weine.
Das Abendessen nahmen wir in direkter Nachbarschaft unseres Hotels im Kastelaz Keller ein. Ein – im positiven Sinne – sehr bodenständiges Restaurant mit schöner Terrasse, leckerem Essen, günstigem und gleichzeitig leckerem Wein und netten anderen Gästen. Der Abend zog sich und endete mit einem Absacker im Hotel.
Am nächsten Tag war die Wein-GenussTTour dann auch schon fast zu Ende. Vor uns lagen „nur“ noch 400 Kilometer Rückreise. Wir brachen bereits um 8 Uhr auf und fuhren über Passo Tonale, Aprica Pass, Bernina Pass, Julierpass, Lenzerheide Pass bis nach Tettnang zum Geburtstags-Stammtisch der Regionalgruppe Allgäu-Voralpen, wo wir kurz vor 18 Uhr eintrafen. Wahrscheinlich hat man uns die Tour ein bisschen angemerkt. Wir verließen die Gruppe dann doch relativ früh.
Aber was soll’s. Schön war’s.

