Der "Rumser" beim Sonneberg-EvenTT zur Erklärung

  • SONNEBERG - Die DDR-Vergangenheit kam am Freitag zwischen Sonneberg und
    Neustadt wieder zu Tage. Ein Bagger grub eine Grenzmine aus. Einen Radweg
    anzulegen ist für Baggerführer Harald Sattler von der Firma Schindhelm Hoch-
    und Tiefbau nichts besonderes. Gestern früh um neun war es an der Neustadter
    Straße rechts auf Höhe des Sonneberger Willkommen-Schildes mit der Routine
    jedoch vorbei: Auf seinem Baggerlöffel entdeckte Sattler ein rundes,
    gummiartiges schwarzes Ding.
    Ihm kam gleich ein böser Verdacht, arbeitete er doch im ehemaligen
    Todesstreifen der innerdeutschen Grenze. Eine Mine! Sein Chef Jürgen
    Schindhelm konstatiert: "Da haben meine Leute echt Glück gehabt, das
    Gegenstück lag noch in der Erde, da sind wir natürlich nicht dran." Die
    Polizei riegelte das Gelände ab und rief den Munitionsbergungsdienst.


    Wie Andreas West von der Firma Tauber Delaborierung GmbH feststellte,
    handelte es sich um eine Infanteriemine PMN, wie sie an der ehemaligen
    Grenze verlegt worden war. "Drauftreten kann tödlich sein. Die Sprengkraft
    wirkt auf etwa 35 Meter", so West. "Durch den abgerissenen Deckel war die
    Mine scharf und nicht mehr transportfähig", erklärte West. Deshalb musste
    sie gesprengt werden. Zur Sicherung sperrten Polizei und Ordnungsamt die
    Neustadter Straße ab Mac Donald und Zufahrt Marktkauf ab. Die Sprengung
    erfolgte um 15.58 Uhr. Dazu legte der Sprengmeister 200 Gramm TNT
    berührungsfrei an die Mine und ließ sie mit grellem Lichtblitz und lautem
    Knall explodieren.


    Nach Informationen der Bundeswehr lagen im Grenzstreifen der DDR insgesamt
    1,3 Millionen Minen, die bis 1985 aufgrund der KSZE-Schlussakte von Helsinki
    hätten komplett entfernt werden müssen. Nach intensiven Recherchen, zum
    Beispiel der Sichtung von 85 000 Dokumenten, wurden nach der Wende 348
    Kilometer des Grenzstreifens als minengefährdet eingestuft und mit der
    Minennachsuche begonnen. Gefunden wurden noch 1104 Minen. Die Freigabe des
    letzten Minenfeldes erfolgte im Dezember 1995. Der Abbau der Grenzanlagen
    und die Minenräumung kosteten 250 Millionen DM.